Schwarz auf weiss - Geldbussen anstelle Verkehrssicherheit

Neuseeland solo

November 2015 - Neuseeland - Traumland? Definitiv - wenn man noch träumt. Es ist Anfang November, es riecht nach Winter, in Down Under hat der Frühling begonnen. Knappe vier Wochen solo mit einer Yamaha XT660 Tenere unterwegs, ohne Plan, ohne Reservationen, wie immer schön den kleinen Strassen nach. Ich merke bald, hier muss ich mir Zeit lassen. Der Plan, die Nord- und die Südinsel zu befahren, ist rasch angepasst.

 

Dabei hilt auch der Wetterbericht - Frühling in Neuseeland kann alle vier Jahreszeiten an einem Tag bedeuten, Kälte, Nässe, starke Winde, sonnige warme Nachmittage, Dauerregen. Der Wetterbericht ist dementsprechend wenig ermutigend. Also lasse ich mir Zeit. Zum Vorwegnehmen: die Routen in den einschlägigen Reiseführern sind mit etwas Vorsicht zu geniessen. Viele der "Sehenswürdigkeiten" sind sehr stark frequentiert und entsprechend vermarktet. "Off the beaten track" hat mir persönlich besser gefallen und der Kontakt zu Einheimischen ist fast schon normal. Manche kurze Begegnung endet beim Bier im Haus eines ansässigen Heimwehschweizers.

 

Willkommen Solo-Reisender - manche Gegenden sind so einsam, dass sich schon mal das bekannte Gefühl einstellt namens "Scheisse niemand hat mich gern". Vor allem wenn alles verhangen ist und dazu der Wind bläst, dass es schon leicht nervig wird. Das kehrt sich ebenso in's Gegenteil, wenn die Sonne durchkommt, denn jetzt erwachen die Farben, die Konturen, die Gerüche, die Klamotten trocknen, und ich kann mir wieder mal eine Zigarette anzünden und sie in Ruhe rauchen.

 

Die Route plane ich von Tag zu Tag, so ist es relativ einfach, interessante alternative Strecken zu erkunden. Hier ein paar landschaftliche und fahrerische Höhepunkte.

  • Coromandel Peninsula via Kauaia und die Nr. 25 entlang dem Firth of Thames.  Diese schmale und wenig befahrene Strecke führt zuerst der Küste entlang und dann durch bergige Regionen. Ein Stop in Hahei lohnt sich, hier liegt auch die Cathedral Cove Beach. Im Hotel Church, das auch ein fantastisches Restaurant betreibt, oder auch der Tatahi Lodge lässt sich auch zwei drei Tage Regen aushalten.
  • Ostküste via Tauranga und Whakatane zum Ostkap über die Nr. 35 - Nichts  für schwache Nerven. In Opotiki unbedingt volltanken, bis Gisborne sind es über 400 km und äusserst abgelegen, ohne Tankstellen und Infrastrukturen.
  • Westküste und Region Taranaki. Einsame, wilde schwarze Küste, an der es naturbedingt oft regnet. Verschiedene Zufahrten führen zum Vulkan Mount Taranaki, am besten via Dawson Falls anfahren und dann zu Fuss auf den Vulkan. Die Lodge am Ende der Strasse wird von Markus, einem Schweizer aus St. Gallen, geführt. Gut nächtigen und essen kann man im Headlands Hotel in Opunake.
  • Waitomo. Spannende Strecke zwischen Taranaki und Waitomo. Das alte Waitomo Hotel lohnt sich für ein zwei Uebernachtungen allemal, umsomehr als dass die Küche Klasse ist.
  • Tongariro National Park und Taupo. Diese Vulkanlandschaften sind atemberaubend, einigermassen klare Sicht vorausgesetzt. Es lohnt sich unbedingt, diese abzuwarten - das kann man in Taupo, einer hübschen Kleinstadt am gleichnamigen See, ohne zu leiden.
  • Kauri Coast über die Nr. 16 und die Nummer 12. Vielfach unbeachtet, ist sie für mich die absolute Perle der Nordinsel. Für die Strecke Dargaville - Kaitaia unbedingt die Nr. 12 und die Variante über Hokianga Bay (Abzweiger kurz vor Omanaia zur Fähre) benützen und genügend Zeit einplanen - es sind schmale Strassen, nicht ganz ohne.
  • Ahipara. Auch so ein von Reiseführern gemiedener Fleck. Wunderschöne Lage am Ninety Miles Beach, ein Ort zum Bleiben.
  • Nordkap. Eine Traumroute führt zu diesem verwunschenen Ort und heiligen Stätte der Maoris, die übrigens generell recht offen zeigen, was sie von Touristen halten - gewöhnungsbedürftig, aber mit dem richtigen Ton kommt man in's Gespräch. Am Nordkap gibt es nichts, was das Touristenherz begehrt, auch keinen Kiosk und kein Cafe. Dies gilt übrigens auch für das Ostkap, das fast ausschliesslich von Maoris bewohnt wird - und die auch Individualreisenden auf Motorrädern zuerst mal sehr kritisch begegnen.
  • Die Strecke Napier - Wellington und die Westküste bis Whanganui sind motorradmässig nicht gerade spannend - sofern man die Fähre auf die Südinsel nimmt oder shoppen will, lohnt sich aber ein Boxenstop in Wellington. 

Die Tour führt über rund 5'000 km über grösstenteils gute Strassen. Die Normalrouten sind auch mit einer Harley oder einem Sportgerät problemlos zu befahren, Entdeckungsreisende abseits der Highways wählen besser eine Dual Sport wie die Yamaha oder die BMW GS - Stollenreifen schaden nichts, denn zahlreiche Strecken und vor allem auch die Zugänge zu den Stränden sind (noch) nicht geteert. 

 

Navigation by Wetterradar

Mai 2015 - Zeit, dem Tränental adieu zu sagen und ohne Plan gegen Osten zu fahren. Der Wetterbericht verspricht Herausforderungen; nur in einem schmalen Band, dass sich von der Steiermark bis nach Kroatien und Süditalien bildet, ist die Wolkendecke offen.

 

Gleich vor Bad Ragaz beginnt der Auffahrtstau. Also raus - via die alte Kantonsstrasse, Tiefencastel, Bergün, Albula und Bernina erreiche ich Poschiavo. Die GS brummt zufrieden, die neuen Stollenreifen greifen schon, herrlich. Ich blinzle hinter dem Visier in die Sonne, weiss aber schon, dass ein wetterbedingter Hafentag ansteht. Also beziehe ich Quartier im Albrici, ein ausgezeichnetes Hotel im Herzen von Poschiavo. Am Freitag das erwartete Wetter - es regnet mehr oder weniger durch. Mit einem Buch, einem Tartar und einigen Flaschen Weissbier lässt es sich hier sehr gut biwakieren. 

 

Am nächsten Morgen starte ich früh; die vorgesehene Route nach Moggio Udine, kurz vor der Grenze zu Slovenien, führt über kleine Strassen. Ein Teilstück, die SS52, ist besonders lohnend; sie führt über den Passo di Mauria durch eine magische Landschaft. Das Hotel San Gallo in Moggio Udine ist einfach, aber hübsch, das Essen sehr gut. Mit einem Deutschen diskutiere ich die Frage, warum sollen wir Tiefkühl-Pizza fressen und in scheissigen Schuppen pennen, nur weil wir Motorrad fahren? Ich beschliesse, das Gebiet nicht weiter zu erforschen.

 

Tags darauf verfahre ich mich zuerst mal, aber der Abstecher ins Valle Resia lohnt sich. Die SP76, die mich nach Slovenien bringt, hält was sie verspricht; die Sagenumwobenen: Predilpass und Vrsicpass! Lange habe ich mit Euch geliebäugelt. Die Mangartstrasse ist aber leider geschlossen. Ich erreiche Kranjska Gora und fahre östlich um den Triglav Nationalpark, bis ich per Zufall eine kleine Schotterstrasse finde, die nach Bled führt. Von hier will ich weiter über die 403 nach Grahovo,  Bukovo und Tolmin, aber das Wetter ist gemischt, ich fahre vor dem Tief her. Ich zweige ab nach Ljubljana und checke im Hotel Adora in der Altstadt ein. Am Nachmittag bummle ich nur rum. Eine eindrückliche Stadt mit schönen Winkeln, und ein gutes Restaurant habe ich auch schon gefunden.  

 

Am nächsten Tag erwische ich eine irre Strecke über die 106, 203 und die 42 nach Senj, einem hübschen alten Städtchen an der kroatischen Küste. Diese endlosen Wälder nehmen mich rein. Seltsam sind die Tempolimits; 40 und 50 über weite, verlassene Gegenden auf breiten Strassen. Das Wetter wird mit jedem Km besser. Kurz vor Senj begegne ich der idealen Kurve, wunderbar, enger, aber vollendet gleichmässiger Radius. Am Meer entschliesse ich mich gleich zu stoppen, obwohl es erst nach zwei ist. Das Hotel ist etwas abgerissen, aber die beiden Brüder, die es führen, machen das locker wett mit ihrer Gastfreundschaft. 

 

Den Plan, am nächsten Tag die Plitwitzerseen zu besuchen, verwerfe ich angesichts 8 Reisecars an der Tankstelle. Sie lassen erahnen, dass ich vor lauter Perücken nichts sehen werde. Also ab über die Küste nach Zadar und retour - die ursprünglich geplante Weiterreise nach Split und dann via Fähre nach Ancona ist wettertechnisch nicht vertretbar. Die Strecke ist absolut traumhaft, alles dem Meer entlang mit den Inseln im Blickfeld, einsam und wild, eine Perle. Zadar selber erinnert ein wenig an Siena oder Florenz. 

 

Den Rückweg wähle ich nicht bewusst, der Zufall führt mich via Pag. Diese Route über die der Küste vorgelagerten Inseln ist reine Magie, wie eine Mondlandschaft, erinnert sehr an Sardinien. Die Kontraste zum Meer sind grossartig, die Strecke fahrerisch ein Traum, mit Fährverbindung an die Küste. Essen kann man hier, das ist schon unheimlich - Fisch und Fisch - frisch vom Boot, zu Preisen die mich fast schon peinlich berühren.  

 

Ueber Nacht nähert sich das  Sturmtief erneut. Um ihm auszuweichen, muss ich bis nach Bologna. Es regnet nur kurz auf der Höhe Venedig. Kaum in der Emilia angekommen, dreht das Licht und auch die Temperatur. Das erste was ich hier immer mache ist im Hotel Commerciante direkt beim Dom einchecken und bei Nello einen Tisch buchen. Weltklasse. Der Rest des Tages ist nur Sein und gucken. Aber der Wetterbericht für die kommenden Tage ist auch hier wenig vielversprechend, nur in der Ligure scheint es besser zu werden.

 

Am nächsten Tag erreiche ich via Reggio Emilia, die SS63 mit dem Passo del Cerreto und die Aurelia mit dem Passo di Bracco Camogli an der Küste. Die SS63 ist eine Perle, ein Traumwetter dazu, aber es ist überraschend kühl. Auf 1200 m werden die Finger kalt. Die Aurelia ist zum Teil unglaublich; eng windet sie sich durch die ligurischen Berge; der Belag ist teilweise stark beschädigt. Der GS ist es egal, sie bügelt einfach alles weg. Kaum  gelandet, holt mich das Schlechtwetter jetzt definitiv ein. Egal, ich bin in Deckung, eingeloggt im Hotel Camogliese, direkt am Meer. Die Stimmung ist einzigartig. 

 

Ganze drei Tage verbummle ich bei launischem Wetter in Camogli; es ist Pfingsten und die ganze Welt fährt rum. Auch kurze Ausflüge geraten zur Nervenprobe. Ich checke immer wieder den Wetterbericht, in der Hoffnung, über Frankreich weiterfahren zu können. Doch im Norden ist es ziemlich übel, und die meisten Pässe sind zu oder schneebedeckt. Also ab nach Hause. Es bieten sich nicht viele Varianten, noch die eine oder andere Passstrecke mitzunehmen. 

 

Am Gotthard sind 90 Minuten Wartezeit angesagt, und der San Bernardino ist ebenfalls dicht. Ich ziehe über Alessandria, Verbania, den Lago Maggiore und den Lukmanier durch; dummerweise ist die Strasse Göschenen - Airolo seit 15.00 gesperrt, der Oberalp fällt also aus, via die Surselva und Chur fahre ich bei schwerem Regen nach Hause. 

 

Die Tour führt durch 4 Länder und umfasst ca. 3‘000 Kilometer voller Highlights. Kroatien erinnert ganz schwer an das alte Italien - für jene, die wissen, wovon ich rede. 

 

Equipment (Update 2017)

Motorradbekleidung gibt es wie Sand am Meer. Da muss jeder rausfinden, was für ihn das Beste ist, und das ist alles andere als einfach. Es gibt allerdings ein paar grundsätzliche Dinge, die ich auf zahlreichen Touren und Reisen erfahren habe. Beginnen wir von innen nach aussen.

 

Unterwäsche

Wolle funktioniert wie eine Klima-Anlage, übrigens in unseren Breitengraden auch im Sommer. Kurz- oder Langarmshirts, Unterwäsche und Socken aus Merinowolle, die es in verschiedenen Stärken (50 dünn bis 200 dick) gibt, z.B. von Icebreaker, haben zudem den Vorteil, dass sie kaum Gerüche aufnehmen, auch nach einer Woche tragen. Kunstfaser ist zwar angenehm zu tragen und trocknet schnell, hat aber den Nachteil, dass man nach drei Tagen stinkt wie ein Iltis und das Traggefühl bei Hitze unangenehm ist. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Helly Hansen, Klim und Black Diamond stellen tolle Kunstfasern her und haben das Geruchsproblem recht gut im Griff.

 

Wenn es bei über 30 Grad richtig brütet, ist Baumwolle unschlagbar; einmal nass, trocknet sie kaum ab und kühlt so beim Fahren und auch beim Stehen, wenn es etwas Wind hat. An Fahrersocken habe ich alles probiert, was es gibt, für mich sind klassische Wollsocken, wie man sie zum Wandern nimmt, das Beste. 

 

Textil-Anzüge

Ihr Eitlen, die Ihr auch bei garstigem Wetter fahren wollt, kauft Euer Zeug gross genug, damit noch was drunter passt. Wenn schon Textil, sind mir folgende Eigenschaften wichtig: gut belüftbar, hoher Kragen, wind- und wasserdicht, genügend Taschen innen und aussen, grosse Reissverschlüsse, lockerer aber guter Sitz, widerstandsfähiges Material an den kritischen Stellen, verstellbare Bein- und Armweiten und gute Protektoren. Alles, was sogenannte Inlays hat, am besten vergessen, das Gefriemel funktioniert auf der Tour überhaupt nicht. Lieber eigene Schichten bilden! 

 

Leder

Darauf achten, dass noch was drunter passt, das Leder qualitativ gut ist, mindestens an der Brust und am Rücken Belüftungsschlitze vorhanden sind und die Reissverschlüsse an den Aermeln nach oben zeigen. Tip: Kraftstoff Jacken und Hosen. Volle Protektoren-Ausrüstung, die man aber nicht sieht, schlichter Schnitt, aber sitzt wie ein Handschuh. Vorsicht - das ist derzeit das Mass der Dinge und könnte die anderen Kutten in den Schrank verbannen. Das ist kein Forumsgeschwafel von vergifteten Markenfreaks.

 

Jeans

Es muss nicht immer Rokker sein. Veleno bietet eine preiswerte Alternative mit coolen Funktionen; so wird z.B. der Knie-Protektor von aussen per einem fast unsichtbaren Reissverschluss eingesetzt – bei der Rokker braucht man dazu Kraft und Geduld, da die Protektoren innwendig eingesetzt werden müssen und das Velcro sich rasch verfängt. 

 

Stiefel

Daytona, Sidi, Sancho, Redwings und Rokker. Gut, die Daytonas sind zuweilen etwas bieder, für den TransOpen GTX gilt das nicht, und die Qualität und Langlebigkeit ist sprichwörtlich. Offroad ist der Sidi Adventure, steifer als der TransOpen, eine sehr gute Wahl. Auf heissen Auspuffrohren gleich neben dem Wädli funktioniert der hohe Sancho-Stiefel, der eigentlich für Rinderhirten gemacht wurde – unkaputtbar, bequem und toll unter Jeans. Allen Stiefeln gemein ist, sie werden nicht in Fernost gefertigt.

 

Integral- und Crosshelme

Arai (QV Pro, Tour-X4), der Aventuro von Touratech und die Davida Speedster. Alle Hersteller geben überlange Garantien und sind superkulant, wenn mal etwas zu ersetzen ist. Der Davida Speedster hat eine sehr effektive Lärmdämmung, das Wichtige hört man - Windgeräusche gehören nicht dazu. Ein sehr kleiner Helm, leicht und angenehm zu tragen mit seiner Lederfütterung. Der Helm hat keine ECE-Zertifizierung - kann an Grenzen Probleme geben, wenn die Zöllner kontrollieren.. Im Fall des Falles tut er genau, was er muss - das hätte ich auch ohne Ausprobieren geglaubt.. 

 

Handschuhe

Alles von Rukka, Klim, die früheren GS Handschuhe von BMW aus Känguruhleder und alles von Richa. Für Retrobikes Handschuhe von Redwings oder, eine Neuentdeckung, von Hestra.

 

Regenanzug

Scott Ergonomics, ein Stretchanzug mit hohem Kragen, passt sich der Kleidung flexibel an. Da flattert nichts. Die Jacke kann auch am Abend als Freizeitjacke oder früh morgens als Windstopper dienen. Und hat einen guten Schnitt - nicht diese Sackschnitte, in denen wir aussehen wie Rumpelstilzchen.

 

Sonnen-/Sportbrillen

Mode-Sonnenbrillen sehen zwar cool aus, sind aber gefährlich. Die Gestelle wie auch die Gläser sollten aus unzerbrechlichem Kunststoff sein und nicht zu dunkel (Filterklasse 2 wählen), sonst wird das in Tunnels ein Blindflug.

 

Gute Lösungen für offene Helme sind die eher teuren Brillen von Emblema, die sehr günstigen Cat's von Eyerex und, mein Favorit, die Wiley-X Brillen. Das graue Glas mit Faktor 2 ist unglaublich gut, es filtert nur die Blendfaktoren weg, Kontrast und klare Sicht bleiben erhalten. Alles gut solange die Sonne scheint und sich die Wespe bei 100 km/h eine andere Aufschlagzone aussucht als Deinen Backenknochen. Bei schnellen Fahrten oder Regen bevorzuge ich die Davida Aviator T3. Sie wird über dem Helm getragen, deckt gut ab, hält den Fahrtwind aus den Augen und bei Regen ist sie wie ein Visier.

 

Zu den Integralhelmen verwende ich nur noch helle oder dunkle Visiere, je nach Licht. Das Nonplusultra ist der Arai QV-Pro mit dem neuen Proshade Visier, das eine aussenliegende Sonnenblende hat. So kann man sich das Ersatzvisier sparen. 

 

Gepäck

Ich verwende nur noch Rucksäcke (R15), Sling Bags und Bellybags (R3) von Kriega. Eben schon wieder so Zeug, das von Motorradfahrern gemacht wurde, und das merkt man. Bequemer geht nicht. Bei der Sling- und Bellybag ist es das Gurtsystem, das sich mittels Schnalle und Gegenzug rasch und einfach lösen und wieder anziehen lässt. Die Qualität ist zweifelsfrei Spitzenklasse. Wenn steht "wasserdicht", dann ist es auch so. British Parts in Degersheim oder mmd adventures in Thun haben die beste Auswahl, gute Preise und nebenbei sind bei beiden sehr nette Typen am Werk.

 

Navigation

Karte - Navis versauen mir den zweifelhaften Genuss des Sich-verfahrens. 

 

Herbstfahrten

Oktober 2014 - Seit anfangs Oktober hat es kaum mehr Verkehr auf den Pässen, und die Verhältnisse sind geradezu ideal. Am Klausen, Susten und Brünig hat es nur noch einige Verwegene, die meistens aussehen, als kämen sie von Ferienreisen zurück. Am Flüelapass ist dieses Wochenende etwas mehr los; am Samstag abend spät fahren noch einige Gruppen den Pass hoch. 

 

Ich übernachte im Tschuggen. Frühmorgens ziehen nochmals einige vereinzelte Motorräder den Pass hoch, das war‘s dann. Bis nach Susch begegne ich niemandem mehr. Auch auf dem Berninapass ist es ruhig, und am Julier bin ich dann tatsächlich der einzige Motorradfahrer, bis mir vor Thusis noch zwei Veteranen auf alten BMW‘s entgegen kommen. 

 

Das Gasthaus Tschuggen liegt auf der Davoser Seite des Flüelapasses kurz vor der Passhöhe und ist ein Paradies. Es lohnt sich schon allein wegen der Küche von Damiano, hier anzuhalten und zu übernachten. Das bringt zwei Vorteile. Zum einen kann man mal richtig die Weinkarte durcharbeiten, zum anderen ist der Flüela am frühen Morgen ein Erlebnis für sich. Keine Spur mehr von dem manchmal unsäglichen Gedränge im Sommer! 

 

Unglaubliche Farben gibt es um diese Jahreszeit, vor allem im Oberengadin. Die Lerchen sind sonnengelb, rote Laubbäume und Flechten aller Art und Farbschattierung mischen sich mit hochfliegenden Wolken und Berggipfeln, die vom ersten Schnee angezuckert sind. Augen auf, bevor uns hier im Flachland der Deckel auf den Kopf fällt!

 

Solo Week September 2014

September 2014 - Zurück aus Spanien, bleiben mir noch 5 Tage für eine Solotour. Also kurz zuhause das Bike wechseln, Wäsche aufstocken, den Briefkasten auf Aerger checken und tschüss in Richtung Engadin. Was habe ich vor?

 

Nicht mehr als 1‘200 km bis am kommenden Sonntag! Das geht! Auch, weil ich es liebe, stundenlang auf diesen Pässen in der Sonne zu hocken, zu lesen, zu fotografieren, Benzingespräche mit Wildfremden zu führen, was übrigens eher möglich ist, wenn man allein reist. Erste Station ist der Albula und das übliche Biwak in Pontresina.

 

Hier kommt mir die Idee, kommende Saison die Hotels gegen mein Biwakzelt und die Spritküche einzutauschen. Definitiv - und nicht aus Kostengründen... Es ist manchmal einfach zum Schämen, wie aufgeblasen sich Leute benehmen, die offenbar einmal im Jahr hier aufschlagen. Am nächsten Tag will ich Poschiavo erreichen, aber via Livigno - Foscagno - Bormio - Stelvio - Umbrail - Zernez und Bernina. Tags darauf nehme ich mir den Gaviapass vor und hocke etwa drei Stunden in der Sonne vor der Hütte an der Passhöhe. Via Bormio - Eirapass - Foscagno - Livigno geht es zurück nach Pontresina.

 

Am Freitag fahre ich spät ab und gondle gemütlich via den Maloyapass nach Chiavenna und den Splügenpass nach Monte Spluga, wo ich einen langehegten Plan erfülle: im Albergo della Posta logieren und die ausgezeichnete Küche ausprobieren. Nächte auf 2‘000m sind etwas ganz Spezielles!

 

Am nächsten Tag geht es weiter über den Splügen und den San Bernardino nach Malvaglia in den Grotto Sprüch. Auf dem Heimweg am frühen Abend nehme ich noch den Lukmanier und den Oberalppass mit. Eine traumhafte Stimmung, wenig Verkehr, einbrechende Nacht über dem Urnersee und genug Zeit um in Brunnen noch zum Znacht anzuhalten. Auf dem Tacho stehen 1‘220 km - geschafft. 

 

5 Länder und ein Weingut

September 2014 - "Lass uns die Bretagne mit den Harleys kulinarisch erkunden und etwas Kultur heucheln" - mit dieser Ansage startet mein Kumpel Alpträume von riesigen Hummern und einsamen Plätzen. Pustekuchen. Meine Zero ist noch immer in Reparatur, und das Wetter im Norden ist gelinde gesagt Sch...

 

Grosser und kleiner Sankt Bernhard und Col de l‘Iseran, wir halten in Lanslebourg zum Wettercheck. Von hier aus wollen wir nach Bordeaux und weiter nach La Rochelle fahren. Also mal ein Stück weiter, Wetter abchecken. Via die Route des Alpes mit dem unvergleichlichen Col du Galibier, Col d‘Izoard und entlang des Lac Serre-Poncon erreichen wir Digne Les Bains. 

 

Hier zweigen wir ab auf die Route Napoleon, besuchen Grasse und schlagen in Salon Du Provence unser Lager auf. Immer wieder prüfen wir die Wetterentwicklung, im Norden bleibt es aber regnerisch. Am Abend erreichen wir Carcassone, nicht zu Unrecht als eine der schönsten Städte Europas besungen. Hier biegen wir nun endgültig südlich ab in Richtung Pyrenäen, durchqueren Andorra und landen an der katalanischen Küste bei Tarragona.

 

Spanien? Könnte sein, ich hoffe insgeheim, dass nicht ganz Spanien das geworden ist, was ich hier sehe - Neckermann Tourismus der ersten Güteklasse, grauenhaft. Für das Wetter gibt es nur eine Beschreibung: was, es gefällt Ihnen nicht? Kommen Sie in 15 Minuten wieder. Ueber Barcelona erreichen wir am nächsten Tag Narbonne, ein sagenhaft schönes Gebiet, das an die Toscana erinnert, mit tollen Logiermöglichkeiten. Wir biwakieren auf einem Weingut; der Keller ist entsprechend und die Küche schlägt alles. Verkatert machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Hyeres, wo wir in Giens an der Küste erneut edel biwakieren, und fahren weiter via Saint Tropez und Ventimiglia nach Imperia, ein äusserst charmantes Städtchen im Nordosten der Ligure. 

 

Wir wollen weiter in Richtung Genua, verlassen aber bei Albegna die Küste - es ist Samstag und eine Nerverei auf diesen landschaftlich so wunderschönen Küstenstrassen. Ueber das Piemont ziehen wir zum Simplon - am Grimsel besteht eine reelle Chance, dem Salzwagen zu begegnen. 

 

Die Route führt über rund 4‘000 km. Highlights sind, neben der Route des Alpes, die Strecke von Digne Les Bains Richtung Cannes, die Strasse entlang des Lac Serre-Poncon, die Port d‘Envalira in Andorra und die D93 von Saint Tropez nach La Croix Valmer. 

 

Fahrbericht BMW R1200 GS Adventure LC

September 2014 - Sie landet nun doch: die neue GS Adventure. Fahrbericht! Genug von Daten und Preisen und was sie ist und was nicht. Um die Dicke richtig auszutesten und richtig einzufahren, müssen 15 Pässe fallen, ich habe ein Wochendende Zeit: Klausen, Susten, Grimsel, Nufenen, Gotthard, Oberalp, Lukmanier, Splügenpass via Isola, Maloya, Bernina, Forclaz di Livigno, Munt La Schera - Ofenpass West, Flüelapass, Wolfgang und Kerenzerberg. 

 

Auftritt: Mächtiger Look, ein bulliges, kantiges Motorrad. Motor: Der neue Boxer geht schon im Road Modus entschlossen an‘s Werk - kein Vergleich zum alten Motor, das Aggregat ist drehfreudig und beschleunigt effektiv aber äusserst unspektakulär - Tacho im Auge behalten! Im Dynamikmodus geht es richtig zur Sache. Schaltung: Geschaltet werden will sie noch immer mit Präzision, wenn es geräuschfrei sein soll. Fahrwerk: ich habe es immer geliebt und werde es immer lieben - diese sanfte und doch sportlich straffe Fahrgefühl. Die Federung bügelt auch wüste Buckel einfach weg, die GS liegt aber satt auf der Strasse. 

 

Komfort: Ideal, auch nach 9 Stunden Fahrt keine Müdigkeit, kein Kreuzweh, keine abgeklemmten Adern. Bedienbarkeit: es ist ein fahrender Computer; blendet man das aus und nutzt man, was Sinn macht, hat sie ein paar tolle Sachen an Bord. Sehr cool finde ich das kleine Fach vor dem Tankdeckel, die 12 Volt Steckdose im Cockpit und den kleinen Helfer unter der Sitzbank, der hilft, die anderen Helfer abzuschalten.. 

 

Ausstattung: es fehlt an wirklich nichts. Ein klein wenig vermisse ich die breite Gepäckbrücke der alten Adventure. Wer auf Navis abfährt, hat mit dem Navigator V ein ganz in das Motorrad integriertes System, das auch unzählige aktuelle Betriebswerte des Motorrades auf Knopfdruck bereit hält. 

 

Fazit: wer ein Motorrad sucht, das von allem vieles gut kann, wird bei der Adventure fündig werden. Sie ist eines der wenigen „All Purpose“ Motorräder, die diesen Namen verdienen - in der 2014 Ausführung erst recht. Für mich bleibt es das Referenz-Reisemotorrad -zu kurz darf der Pilot oder die Pilotin immer noch nicht sein, daran hat sich nichts geändert.

 

Drehen lassen

August 2014 - Ein Freund und Wüstengefährte veranstaltet jedes Jahr an einem Sonntag im August eine 10 Pässetour von ca. 600 km. Wir sind 7 Motorräder. Ueber Churwalden und den Wolfgangpass steigen wir ein - das Wetter ist lausig wie meistens dieses Jahr, auf dem Flüela schneit es bei 0.5 Grad.

 

Etwas Gruppendynamik entsteht natürlich jetzt, nicht alle Jungs haben Heizgriffe und einer trägt ein T-Shirt unter seiner Lederjacke.. . Es ist eine Zitterei, man hört von Umkehr reden....mit einem „chömmed jetz“ setzen wir uns ab in Richtung Zernez, wo bereits die Sonne scheint! Und ein Wind bläst, der von der Temperatur her schon richtig schwer an den Spätherbst erinnert.

 

Via Ofenpass und Müstair schrauben wir uns auf das Stilfserjoch. Die Multistrada ist hier in ihrem Element. Herrliche Aussicht, wie immer auch auf Motorräder und Autos, die das mit der Strassenseite noch nicht so richtig mitbekommen haben. Bormio lockt mit Hochsommer-Attitüde, wir fahren weiter über den Foscagno und den Eira Pass nach Livigno. Dann geht es über den Forcola (oder Forcla) di Livigno auf den Berninapass,  über Pontresina zum Julier und via Lenzerheide nach Chur.

 

Highlights dieser Strecke sind immer wieder der Ofenpass - ich liebe diese Landschaft - und das Stilfserjoch mit seinen 48 Spitzkehren bis auf fast 2‘800 Meter über Meer. Gewaltig, und wie sich immer wieder zeigt, nichts für ganz und gar Unerfahrene. Von der Talsohle bis zum Scheitel stoppe ich zweimal, um Motorradfahrern zu helfen, ihre Maschine aufzustellen, nachdem sie in einer Haarnadel fast im Stehen einfach umgekippt sind. Etwas Praxis braucht dieser Pass.  

 

Route Napoleon und schnell weg

Juni 2014 - Da ich über das Wochenende die Swiss 500 Miles mit der Zero mitgefahren bin, streikt mein Skelett und die Polsterung darüber. Erst am Dienstag habe ich meine Knochen sortiert und das A...fleisch soweit gebracht, dass an eine Abfahrt auf eine wöchige Tour zu denken ist. Mein ursprüngliches Ziel Slovenien und die Wetterprognosen passen nicht zusammen - unter Null im Engadin, Regen und Schnee beim Grossglockner. Also runter in den Süden. 

Ueber die Autobahn erreiche ich Reichenau und via die alte Kantonsstrasse den Splügenpass. Ueber Chiavenna nach Menaggio, wo ich angesichts grosser schwarzer Wolken beim Hotel Du Lac anhalte. Ich schiebe gerade das Motorrad in die Garage, da beginnt es bereits sintflutartig zu regnen.

 

Am Mittwoch geht es bei leichter Bewölkung via Como und ein kurzes Stück Autobahn Richtung Genua bis Vaghero. Ueber die SP 20, eine richtig abgefahrene handtuchbreite Nebenstrasse, erreiche ich Bobbio, ein sympathisches Städchen. Weiter geht es über die SP 45 und weitere zahllose SP's nach Rapallo. Die Strecke führt auf kleinsten Strassen mitten durch die ligurischen Berge und bietet magische Eindrücke. Die Multistrada kämpft etwas mit dem tückischen Belag, viele Verwerfungen, tiefe Rinnen und Buckel. In Camogli verbummle ich den Abend und auch den nächsten Tag - ein reizvolles Dörfchen direkt am Meer. Der Lebensrythmus holt einem nach 5 Minuten schon ein; alles geht gemächlich hier. 

 

Am Freitag will die Multistrada nicht starten. Nach viel Gefummel stellt sich heraus, dass die Batterie im Schlüssel leer ist. Ein Stück Autobahn, um Genua zu umfahren, dann wechsle ich bei Arenzano auf die Aurelia. Sie ist fahrtechnisch wenig spannend, aber landschaftlich traumhaft. Der Verkehr durch die Dörfer ist aber eher dicht. Ueber San Remo und Cannes erreiche ich Grasse, die Stadt des Parfums. Wer das Buch gelesen hat, dem sei dringend empfohlen, die Stadt ein paar Stunden zu erkunden. Auf dem Place d‘Aire isst man sehr gut, die Hotels sind über jeden Zweifel erhaben und preislich fair.

 

Am Samstag starte ich von Grasse aus auf die Route Napoleon - schon bei Castellane habe ich genug davon. Das ist echt ein Highway, und die verkehrstechnische Spekulation, dass sich die Massen in Richtung Süden bewegen, ging auch grad den Bach runter. Ein Zirkus sondergleichen, auf und neben der Strasse, sehr touristisch alles, und die unvermeidlichen Manchmalfahrer sind heute auch da und parken die Strasse zu. Ich zweige ab in Richtung Saint André, dem Verdon entlang nach Barcelonette und schwenke dann auf die Route des Grand Alpes D902 ein. 

 

Ueber den Col de Vars, Col d'Izoard, Col de Lauteret und den Col de Galbier erreiche ich Lanslebourg Mont Cenis. Kein Verkehr, ganz einfach herrlich - auf den Pässen ist es mild, einsam und windstill. Die Murmeltiere nehmen das Röhren der Multistrada eher gelassen - guter Stil ist, nicht gerade voll angasen, wenn diese Kerle vorbei pesten. In Lanslebourg quartiere ich mich in der Auberge Chez René e Dodo ein. Gekommen bin ich ja eigentlich wegen dem Salade du Chevre chaud und dem Pavé du Boeuf bei La Chouette's, das mir von anderen Touren bekannt ist und schon zum zweiten Mal herhalten muss, um 16.00 mit gutem Gewissen als Ende eines Fahrtages zu erklären. 

 

Am Sonntag um 08.00 mache ich mich auf den Rückweg. Ich entscheide mich für die Route via Iseran und kleiner St. Bernhard, wo der Verkehr schon deutlich dichter ist. Ueber den Colle di San Carlo, einen kleinen, herrlichen Pass und den Grossen Sankt Bernhard fahre ich nach Martigny, via Wallis, Grimsel und Brünig richtung Home. Gegen Abend muss ich allerdings immer öfter anhalten. In den Tälern ist eine Bruthitze und die Strecke von etwas mehr als 500 km ohne Entspannungsstrecken zehrt an der Substanz. Um 20.00 bin ich daheim. 

 

Die Route geht über 1‘900 km. Wer die Route des Grandes Alpes noch nicht kennt, hat hier Highlights wie den Galibier noch vor sich. Mir hat dieses Mal vor allem die Strecke Castellane nach Saint André dem Verdon entlang gefallen.   

 

500 Miles Switzerland on a Zero Type 9

Juni 2014 - Um 15.00 starten mein Kumpel und ich zur Swiss 500 Miles. Kein Rennen, sondern eine Art OL über 800 km, zu dem nur Harley‘s zugelassen sind. Die Route ist genau vorgeschrieben; an 15 Checkpoint erhält man jeweils die Wegbeschreibung zum nächsten Checkpoint, und um zu verhindern, dass ganz Schlaue abkürzen, sind 5 Spezial-Checkpoints eingebaut. 

 

Schon die erste Streckenführung hat es in sich; die Route geht über kleine Nebenstrassen, Hauptstrassen werden vermieden und Autobahnen sind sowieso kein Thema. Die Beschreibungen sind oft so, dass man sie interpretieren muss, und entsprechend rasch ist ein Verfranzer passiert. 

Langsam wird es dunkel. Prompt unterläuft mir ein Navigationsfehler, der uns etwa eine Stunde kostet und das Erreichen der nächsten Checkpoints vor deren Schliessung zur Herausforderung macht. Ein zweites Problem mit der Wegfindung kostet eine weitere halbe Stunde. Einer dieser Checkpoints liegt auf der Schwägalp, die wir um 3 Uhr morgens kurz vor der Schliessung des Checkpoint erreichen. 

 

Es ist sehr kalt geworden. Der Wind lässt die Augen tränen, Nebel kommt auf, das Lesen der Wegbeschreibungen, die mit Klebeband auf dem Tank befestigt sind, wird schwierig, trotz vorsorglich mitgebrachter Stirnlampe. Wir bleiben hart am Ball. Etwa gegen 6 Uhr morgens erreichen wir den Checkpoint Sternenberg. Wir rauchen kurz eine Zigarette und machen uns wieder auf den Weg. Ich sehe aus wie zugedröhnt. Die Nacht war hart. Um 07.00 erreichen wir Wald und erkennen, dass wir den nächsten Checkpoint, der im Wägital liegt und um 07.15 schliesst, nicht mehr erreichen werden. 

 

Wir fahren genau bis 07.15 Uhr weiter und melden dann nach 17 Stunden und 600 Kilometern die Kapitulation per Telefon bei den Veranstaltern. Zu diesem Zeitpunkt sind noch rund 160 von 500 gestarteten Maschinen im Rennen. Jawoll, wir mussten kapitulieren, aber der Schwanz ist noch dran! 

 

Ein paar Tage später schmieden bei einem Filet strategische Pläne für das kommende Jahr: Winddichte Brillen, Uebersichtskarte Schweiz, Augentropfen und eine vernünftige Befestigung für die Wegbeschreibungen! Die Stirnlampe hat sich jedenfalls auch als Zusatzscheinwerfer bestens bewährt. 

 

Via Flaminia

Mai 2014 - Der Plan Anfang Mai war eigentlich, mit den Harleys nach Neapel zu fahren. Eine Woche Zeit - geschäftliche Verpflichtungen und ein kaputter Tacho an der Harley zwingen zum Plan B - wir passen sogleich die Route an. Die stollenbereiften HP2 Enduro und GS Adventure brauchen noch neue Finken. Erst am Donnerstag kann es losgehen.

 

Ueber die A1 und die A15 erreichen wir La Spezia und quartieren uns im Küstendorf Lerici ein. Leider gelingt es mir das erste Mal, in Italien schlecht zu essen - an den Touristenorten greift die Seuche um sich, die Küche den Gästen anzupassen...  

 

Am Freitag fahren wir über die SS1 oder Aurelia, wie sie auch genannt wird, nach Piombino und per Fähre nach Elba. In Porto Azzuro  stoppen wir für die Nacht. Wieder knallen wir uns bezüglich Essen den Kopf an; was ist hier bloss los... Am Samstag brechen wir schon hungrig auf und fahren nach Rom, wo wir die Via Flaminia treffen werden. Und endlich - in einem kleinen Dorf namens Montepascali kurz vor Grosseto finden wir ein Restaurant, dass zwar wie eine Bar aussieht, aber im hinteren Teil 5 Tische hat. Die Besitzerin hat gerade Gnocchi selber gemacht, der Sugo sei gut geworden, sagt sie, und zwei schönes Filettos seien auch noch da. 32 Euro kostet der Spass - für uns beide... für den Magenverderber in Lerici haben wir 90 EUR berappt - Hilcona Menüs - nein danke. 

 

Die Via Flaminia empfängt uns mit etwas Regen und Sonnenschein zur gleichen Zeit. Sie führt über 289 km von Rom nach Fano an der Adria. Zum Teil schmal und sehr kurvig, führt die Strasse nach Terni, an Perugia vorbei nach Gubbio und über die Berge an die Küste. Hier in Umbrien ist das alte Italien zuhause.

 

Die Flaminia bietet viele Varianten und wäre allein für sich schon eine längere Tour wert. Traumhafte Landschaften und Aussichten auf einer Route, die mehr als einmal nur mit einem breitem Grinsen unter den Helmen kommentiert wird. In Fano essen wir bei einem interessanten Fischer, der an diesem ebenfalls touristischen Ort keine Gäste hat, dafür umso besseren Fisch. Am Sonntag fahren wir auf direktem Weg zurück in die Schweiz.

 

Die Tour ist rund 2‘100 km lang. Fahrerisch sind die Küstenstrassen der Ligure und Cinque Terre kein Highlight, aber es lohnt sich trotzdem, an der Küste entlang zu fahren und es einfach entsprechend gemütlich zu nehmen. Zur Flaminia müssen in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand, wohl oder übel zahlreiche Autobanhn- und Superstrada-Kilometer gefressen werden. Am besten bleibt man auf der SS1; wer das Bummeln nicht schätzt nimmt sich gleich die A1 bis Rom und zweigt dort auf die Flaminia ab.  

 

Winterfahrten bei Schnee und Eis

Januar 2014 - Es ist saukalt draussen, neblig, und im Kanton Zürich liegt seit Dezember vielerorts Schnee auf den Strassen. Gut, dass noch ein Satz Stollenreifen auf der GS montiert ist. Der TKC80 ist perfekt für diese Bedingungen, er baut auch bei Kälte etwas Grip auf und hält sich ganz gut.

 

Klar fährt man die Kurven nicht so, dass man sich die Eiskristalle aus der Nähe anschauen kann, aber mit etwas Technik und gutem Abschätzen des Geländes fährt es sich sicher. Weisses auf der Fahrbahn?  Schattenhang? Frühzeitig und sachte verlangsamen, Stiefel raus und mit der Spitze kurz den Belag abtasten - keine Hektik, es ist erstaunlich, was es verträgt! 

 

Auf der GS, die schon von Haus aus guten Schutz bietet und die unbezahlbare Griffheizung hat, hält man es mit dicken Klamotten grad mal so drei Stunden aus, bevor man steif vom Bock fällt. Gute Ideen sind: dicker Fleece-Buff, zwei Lagen Merino auf der Haut, ein Windstopper-/Fleeceshirt darüber, GoreTex Jacke (nicht zu eng) und -Hose mit Wärmefutter. Hohe Stiefel, dicke Fahrer-(Knie!)socken, gute Winterhandschuhe (Richa Arctic). Auf dem Visier unbedingt ein Pinlock montieren. Gut fährt es sich auch mit einer nicht zu engen Lederjacke, darunter einen eng gestrickten dicken Wollpullover.

 

Alle 30 Minuten rasch anhalten, Hände mit Handschuhen am Motorblock aufwärmen. In den Tankrucksack gehört eine Thermosflasche mit heissem Inhalt, bei jeder Pause eine Tasse davon einschütten. Kein Alkohol - die wohltuende Wirkung ist nur gefühlt, tatsächlich kühlt der Körper noch mehr aus, und Alk gehört auch sonst nicht zum Motorradfahren. In die Beiz zum Aufwärmen ist ebenfalls nicht zielführend, nach der Wärme schlotterst Du nur noch mehr.

 

Im Zürcher Oberland oder im Appenzell auf kleinen Strassen durch reifbehangene oder verschneite Waldstücke zu fahren ist 4D Augenkino und ein ganz spezielles Erlebnis - aber den Kopf musst  Du dabeihaben.

 

BMW R1200 GS Adventure LC 2014

Dezember 2013 - Im Dezember gab es bei BMW Schweiz an der Vorpremiere die neue GS Adventure zu besichtigen. Gegen meine Adventure 2009, noch mit dem luft-/oelgekühlten 98-PS Boxer, wirkt die neue GS wie ein Raumschiff.

 

Von einem ultimativen Geländebike, wie die Werbung signalisiert, war die GS Adventure schon immer weit entfernt. Das Prädikat ultimatives Reisebike für lausige Teerstrassen und harten, guten Naturuntergrund darf hingegen gelten, da kommt wenig an der Adventure vorbei.

 

Adventure muss man ja auch erstmal definieren; für die einen ist das der Sonntagsausflug in den Jura, für andere die Sahara - in die Dünen würde ich mit diesem Bike allerdings nicht mehr fahren. 

 

BMW stellt ein Motorrad vor, dessen Design auf den ersten Blick an japanische Manga-Krieger erinnert und zwar sehr wertig, aber auch sehr poliert daherkommt. Sie fährt sich genauso, man spürt die Weiterentwicklung deutlich, dem Motor wurde aber auch noch mehr Charakter wegpoliert. Dafür drückt er phantastisch ab. 

 

Bei den Fahrassistenz-Systemen geht die Post ab. Die neue GS Adventure ist bis oben voll mit Elektronik-Fahrhilfen. Das spürt man beim Fahren; ich wünschte mir schon auf der kurzen Probefahrt, diese Helferlein allesamt lahmlegen zu können. Der Sinn, immer stärkere Motoren zu bauen und diese Leistung dann elektronisch beherrschbar zu machen? Klar, über 90% dieser Motorräder sehen nie etwas anderes als Teer. Abseits der Strassen ist Laufruhe im unteren Drehzahlbereich und ein gutes Drehmoment wichtiger als Motorenleistung - beides kann der neue Wasserboxer allerdings ebenso gut. 

 

Sie hat das Zeug zur eierlegenden Wollmilchsau. Genügend Leistung und sonst alle Tugenden, die einer GS eigen sind. Wer sich nur ein Motorrad erlaubt und vornehmlich auf Asphalt und gutem Schotter fährt, wird bei der neuen Adventure ohne Zweifel fündig werden.

 

Dolomiten

September 2013 - Dolomiten im Sommer - das macht keinen Spass. Also azyklisch bewegen und etwas dickere Kleider in‘s Gepäck. Ende September ergab sich eine Chance, 8 Tage abzuschleichen vom heimischen Herd, also Tasche aufgepackt und weg- diesmal mit der Multi, wieder solo.  

 

Schon der Hinweg war eine Tour in der Tour - Flüela, Ofenpass, Umbrail, Stelvio und dann im guten alten Bormio pennen. Weiter geht es über den Gaviapass, Passo Tonale, via Revo über die kleine Verbindungsstrasse nach Sarnonico, Mendelpass, Tramin und Montan weiter in's Val di Fassa nach Campitello. Mit genügend Zeit im Gepäck und frei von Zeitdruck liessen sich die Tage voll auskosten.

 

Um 09.00 weg bedeutet allerdings 0-2 Grad bis zur ersten Sonnenterasse und öfters böses Glitzerzeug auf den noch schattigen Strassen. Dafür dieses süffige Licht - strahlendes Wetter, Farben die es eigentlich gar nicht gibt, traumhaft, und null Verkehr. Am Abend tut man gut daran, gegen 18.00 in der Basis einzulaufen und den Flüssigkeitsstand mit einigen Bieren wieder anzuheben. Wegen zu langem Rumtrödeln musste ich einige Male im Dunkeln zurückfahren, Heimweg heisst immer Pässe, und da es rasch sehr kalt wird, geriet die eine oder andere Nachtfahrt etwas zur Wackelpartie. 

 

Zuerst mal ging es in den Süden - fand ich jetzt nicht so berauschend, obwohl Highlights wie der Manghenpass, Pellegrinopass, Vallespass und Rollepass dabei waren. Weiter südlich in Richtung Belluno finden sich viele kleine und weniger bekannte Strecken, landschaftlich ist es aber oberhalb des Pellegrinotals grundsätzlich spannender. Der Westteil ist interessant, gerade die kleine SP24, die über Kastelruh, Schlern, Birchabruck und Karrerpass führt. Richtig riefen mich aber die Gebiete im Nordosten, z.B. in Richtung Cortina, wo sich der Passo Tre Croci (im Duell mit einer KTM 1190 Adventure aus Bologna), der Lago Misurina und die Maut Strasse zu den drei Zinnen förmlich aufdrängt - die Nordwestschleife via Fiames, Cortina, Giaupass, Valparolapass, Fedaiapass und Pordoipass zurück nach Campitello musste zweimal herhalten. 

 

Im Norden hat es Highlights wie das Grödnerjoch - am frühen Morgen unter dieser Wand durchzufahren ist einfach atemberaubend - und die Sella, die bei Verkehr aber nervtötend ist. Im Anstieg hatte es kaum Verkehr, dafür etwa 500 Schafe, die über die Passstrasse getrieben wurden und sie in eine K....ck-Seifenpiste verwandelt haben. Ein Hotel mit hauseigenem Kärcher wählen! Die Leute spritzen gerne auch gleich den Fahrer mit ab. Die Abfahrt war ein Graus - Autobusse im Multipack und supernervöse Autofahrer - und zur Krönung noch etwas Regen, dann wird das Fahren echt zur Eierei, auch ohne die Schafsdinger, die an den Reifen kleben - es rutscht und schlingert; eine wahre Pracht... Im Nordwesten fand ich eine Strecke, die eine Superlative ist - via St. Martin in Thurn auf das Würzjoch und die SP29 Verbindungsstrasse nach Villnöss - über St. Ulrich nach Corvara in Badia und zurück in die Basis. 

 

Nun, irgendwann zeigt die Karte nur noch wenige unbefahrene Strecken, und es ist auch schon wieder Samstag. Der Heimweg ist nochmal eine Tour in sich, und da bin ich echt fast ausgeflippt. Via Bozen, Sarntal, Penserjoch, Jaufenpass, Timmelsjoch, Reschenpass zum Ofenpass, um dann in Zernez tot vom Bock zu fallen. Das Timmelsjoch ist grandios. Die Strecke ist im Aufstieg interessant und im Abstieg (Mautstrasse) dann recht breit, mit gutem Belag und diesen weiten schnellen Kurven... Ueber Santa Maria, Ofenpass, Zernez, Albula und Oberalp fahre ich heim, und da erwischt mich auch der erste richtige Regen der ganzen Tour. 43 Pässe sind in diesen 8 Tagen „gefallen“ und der Tacho zeigt 3'000 km mehr an.

 

Enduro fahren oder Enduro reisen?

Die beiden Arten sind grundverschiedene Kisten und bestimmen auch die Wahl des Motorrades. Der Trip in Tunesien widmete sich dem Enduro-Fahren. Damit verbunden ist auch das leidige Testosteron-Problem, von dem Motorradfahrer oft betroffen sind. Kleine, leichte Motorräder wären hier angesagt - Pappa fährt mit seiner Adventure da vor - na ja..

 

Namibia dagegen zielte auf Enduro-Reisen; über längere Distanzen und über wildes Land, Pisten und Tracks, jede Nacht an einem anderen Ort. Das ist mein Fall - im Sandkasten rumgurken überlasse ich anderen.  

 

Im Mai 2012 habe ich einen Offroad-Grundkurs in Hechlingen besucht und eine BMW R1200 GS Rallye durch schwieriges Gelände bewegt. Das hat mir gezeigt, dass auch seriöse Passagen mit einer GS zu meistern sind, auch mit der dicken GS Adventure. Aber man muss abwägen und die Strecken entsprechend planen - im tiefen Sand ist eine leichte KTM mit langen Federwegen ungleich besser fahrbar, mit so einer Maschine würde ich aber weite Strecken eher meiden - da glänzt die dicke Adventure. 

 

Organisiert oder auf eigene Faust? Ich persönlich reise nicht mehr organisiert in einer Gruppe, sondern plane und organisiere selber; entweder solo oder mit 1-2 verlässlichen Freunden. Die Guided Tours sind sicher bequemer und für „Reise-Anfänger“ zu empfehlen; man bezahlt jemanden, um die Planung und Vorbereitung zu übernehmen und die Logistik zu stellen, aber es nimmt viel vom eigentlichen Reiz. 

 

Die Gruppendynamik ist zudem manchmal recht schwierig; trotz vorgängiger Absprachen gibt es dann unterwegs doch gern mal Zoff. 

 

Iron Butt - close the gap

September 2013 - Schon lange stand der Colle d'Agnello, der vom Piemont nach Frankreich führt, auf der Liste der Sachen, die noch zu tun sind. Weiss der Teufel, es gibt manchmal Orte, da will man einfach hin, aber sie scheinen zu weit weg für ein Wochenende.

 

Am Freitag ist es dann doch soweit. Ein spontaner Entschluss, mein Kumpel, seine Harley und meine Thunderbird stehen um 12.30 am Start. Ueber den Brünig, Grimsel, Brig und Domodossola erreichen wir am frühen Abend Verbania am Lago Maggiore. Verbania ist zwar ein kleiner Umweg, der sich aber lohnt; das Dörfchen am See ist urgemütlich.

 

Am Samstag mogeln wir uns auf der SP229 am Lago Omegna entlang via Novarra durch das Hinterland in Richtung Turin - nein, Autobahn wollen wir nicht haben. Die geplante Schleife über Asti lassen wir aus, biegen südlich ab nach Saluzzo und erreichen via Sampeyre die Südrampe des Colle d'Agnello. Eine echte Traumstrasse, die auf 2‘744 Meter über Meer führt. Die Landschaft ist atemberaubend, die Strecke nichts für Anfänger oder Gelegenheitsfahrer. Eine Gruppe von hoffnungslos überforderten holländischen Bikern, die eher im Sturzbereich mit Gold Wings über die engen und ausgesetzten Kehren segeln, lassen wir hinter uns. Gefährlich hat das ausgesehen, aber die Jungs grinsten und hatten riesig Spass.

 

Nach der Passhöhe und der Nordrampe verfahren wir uns kurz nach Molines-en-Queyras, aber richtig. In Chateau Ville Vielle zweigt die D947 rechts ab, diese endet aber in Ristolas, wo es nicht weiter geht, obwohl die Papierkarte was anderes sagt. Wir fahren zurück und über Arvieux entlang der D902 und den Col d'Izoard nach Briancon, wo wir grinsend, aber geschlaucht ankommen - nicht nur die Tänke sind leergefahren, auch die Fahrer. Es ist die alte Leier: mit einem Navi, das wir ja bewusst zu Hause lassen, passiert so was nicht, und das wäre zugleich schade! 

 

Am Sonntag ziehen wir auf der D902, eine der Traumstrassen Europas, weiter via Col du Lautaret, Col du Galibier, Col du Telegraphe und Modane nach Lanslebourg Mont Cenis, ein Dorf, das es mir angetan hat. Gleich am Dorfeingang hat es ein Bistro, wo die beste Bavette der Welt für kein Geld zu finden ist. Das erleben wir in Savoien nicht zum ersten Mal; einfache, unkomplizierte Küche, super gut, und die Leute freuen sich, wenn man ihre Küche schätzt - es hat was vom alten Italien, nur weniger laut. Am Tisch neben uns sitzt die kleine Schwester von Sophie Marceau und grinst, wohl wegen unserem unterdessen richtig verwegenen Aussehen und der unverholenen Freude, die sie auslöst. Die Frauen in Savoien sind auch wie im alten Italien, nur viel offener und selbstbewusster. Weiter geht es über den Col d'Iseran nach Bourg Saint Maurice, Seez, Kleiner St. Berhard, Chamonix und den Col de Montet nach Martigny. 

 

Auf der vollgestopften Autobahn erreichen wir um 22.00 Weiningen. Diese Anfahrts- und Rückreisestrecken über Autobahnen, die unvermeidlich sind, kommen mir vor wie die Nächte in überfüllten SAC Hütten, bevor man einen Berg besteigen kann. Der Eintrittspreis. Runde 1300 km auf den wohl schönsten Strecken, die Europa zu bieten hat, liegen hinter uns. Der Colle d'Agnello schliesst zugleich eine Lücke in der Liste der höchsten Pässe Europas, die wir schon zusammen gefahren sind. 

 

Tremola und Nufenen mit dem Dickschiff

August 2013 - Am Samstag morgen geht es trotz Schlechtwetterprognose gegen 10.00 über die A1 nach Brunnen. Das Dorf ist abgesperrt, bei der Umfahrung setzt ein blauer Kombi zurück und klemmt mein Vorderrad unter seiner Stosstange ein.

 

Nichts passiert, die Stossstange des Autos sieht allerdings etwas zerknittert aus. Pechtag? Kurz vorher hat die Triumph Thunderbird Oel abgeworfen, weil der Oelstutzen nicht richtig sass. Rasch das Hinterrad kontrolliert, Oel und feucht vertragen sich nicht ganz so gut.

 

Ueber die Axenstrasse geht es nach Amsteg zur obligaten Kaffeepause bei der Dorf-Bäckerei, und weiter nach Andermatt. Höllenverkehr in der Schöllenen, alles steht rum, überholen am Laufmeter. Also rauf auf den Gotthard und nach einer Zigarette zur Einfahrt der Tremola, gleich rechts von der Beiz. Es ist ein Genuss, ich bin allein auf der Strasse und lasse die Thunderbird mit den Fussrasten spielen. 

 

In Airolo zweige ich ab in's Bedrettotal, das mystisch schön ist, heute ganz besonders, da es etwas Nebel hat. Der Nufenen ist von Süden her viel imposanter als von Gletsch her, hier kann man richtig carven. Auf der Passhöhe treffe ich zum dritten Mal diesen Sommer einen rührigen Ticinese wieder, der mit seiner Yamaha und bewaffnet mit einer Kamera offenbar ebenfalls ständig auf den Schweizer Pässen kreuzt.  

 

Es geht runter nach Ulrichen und rechts nach Gletsch. Ich halte kurz an, als zwei Welsche in die Bremsen gehen. Einer fährt eine  Triumph Thruxton. Wir halten ein kurzes Benzin-Pow-Wow ab und komplimentieren die Bikes. Dann ziehe ich weiter über die Furka. Das Wetter sieht nicht gut aus;  über Andermatt und Amsteg hält es noch, in Flüelen beginnt der Regen. Regenschutz? Denkste - pitschnass und mit gefüllten Stiefeln komme ich zuhause an. Nun ist es wirklich Zeit, mal eine Regenjacke zu kaufen, die über das Leder gezogen werden kann.

 

Engadin und Stelvio

Juli 2013 - Am Freitag warten wir im Hotel Ladina in Bergün auf unsere Freunde Christine und Salvo und verbringen den Abend in leichtem Regen auf der Terasse unter dem Vordach. Es ist allerdings recht kühl.

 

Am Samstag müssen wir früh los, weil Bergün wegen eines Rennens gesperrt ist. Beim Hochfahren zum Pass überlege ich mir die weitere Route. Es ist noch immer sehr kühl, aber der Companero ist angenehm, ich lasse die Aussenhaut im Sack.

 

Ich entscheide mich für den Ofenpass, um via Munt La Schera nach Livigno zu kommen. Wenn man hier aus dem einspurigen Tunnel fährt, haut es einem wirklich fast um - was für eine Landschaft. Die Strecke habe ich zwei Wochen vorher in umgekehrter Richtung mit der Diavel befahren. In Livigno halten wir und streifen ein wenig durch das Dorf. Danach fahren wir über den Passo Foscagno nach Bormio, wo wir nach dem Mittag ankommen und den Rest des Tages verbummeln. Wie schon auf der letzten Tour fahren die Italiener schrecklich, alles in der Mitte oder ganz auf der Gegenseite.

 

Am Sonntag fahren wir etwas später los. Es geht über den Stelvio, wo es zu meiner Ueberraschung verhältnismässig wenig Verkehr hat. Anstelle über den Umbrail ziehen wir an's Ende des Stelvio nach Taufers und von dort aus nach Müstair und Santa Maria, wo wir einen Kaffeehalt machen. Auf der Abfahrt vom Stelvio hält ein Italiener mit einer Honda mitten in einer Kurve an, ich bin grad am Einlenken, und muss die Füsse einsetzen - zu nah aufgefahren - man muss auf diesen Strecken mit allem rechnen. 

 

Weiter geht es auf den Ofenpass, nach Zernez, über den Flüela, Davos und nach einem letzten Stop im Heidiland Richtung Heimat. Statt der erwarteten Gluthitze erwartet uns Zürich mit Bewölkung und recht kühlen, aber angenehmen Temperaturen. Kaum zuhause, beginnt es zu regnen. Schwein gehabt, die Regenhaut blieb diesmal volle drei Tage im Sack. 

 

Tirol

Juli 2013 - Freitag 16.30 Lachen: ein übles Hagelgewitter erwischt uns, die Strasse sieht aus wie im Winter! Am Walensee ist es aber schon wieder trocken. Wir biegen bei Landquart ab und erreichen via Davos Wolfgang den Gasthof Tschuggen am Flüelapass.

 

Kurz vor Tschuggen hat es offenbar nochmal geregnet, etwas davon liegt noch in der Luft. Nach 20.00 erreicht uns das nächste heftige Gewitter, da sitzen wir aber schon gemütlich in der Beiz, draussen blitzt und donnert es. Damiano kocht fürstlich und es ist einfach urgemütlich in diesem abgelegenen kleinen Hotel mitten in einer wilden Alpenlandschaft. Am Samstag fahren wir gegen 10.00 ab, kurze Fahrt zur Flüela-Passhöhe und weiter nach Susch. Anstelle wie geplant in Richtung Zernez und Ofenpass zu fahren, biege ich bereits in Susch nach links in Richtung Landeck ab, denn es hat viel Verkehr in Richtung Ofenpass.

 

Entsprechend früh sind wir in Landeck und verbummeln den Nachmittag in der Stadt, die recht gemütlich ist. Aufpassen muss man bei der Hotelwahl - vor allem bei jenen Hotels, die um Motorradfahrer werben, ist Vorsicht geboten. Zu empfehlen ist das Hotel Schrofenfels in Landeck.

 

Am Sonntag fahren wir wieder gegen 10.00 los in Richtung der Silvretta Hochalpenstrasse, die Klasse ist, wenn es wenig Verkehr hat. Nach Gaschurn mogeln wir uns ein kurzes Stück über die Autobahn nach Feldkirch, weiter über Vaduz, Grabs und Wildhaus, wo wir im Hirschen Halt machen. 

 

Die Silvretta macht wahrscheinlich noch mehr Spass von Norden her, da die Nordrampe sehr steil und die südliche Abfahrt schöner ist. In Umkehr bietet sich an, am Freitag abend bis Vaduz zu fahren, schlafen, nächster Tag Silvretta bis St. Maria, nächster Tag Rückfahrt. So kann man auch den Ofenpass gut mitnehmen. 

 

Bormio und Livigno

Juni 2013 - Ein freies Wochenende und damit die Gelegenheit für einen Soloritt mit der Ducati Diavel - das heisst am Samstag früh abfahren ohne Plan, minimales Gepäck, kein Navi und genügend Zigaretten.

 

Auf der Autobahn nach Chur regnet es noch leicht, in Thusis ist bereits die Sonne draussen und das etwas nasse Steissbein trocknet rasch. Kurs Ost führt auf den Albulapass und den Berninapass.

 

Ueber Posciavo (wo sich das ultimative Tartar finden lässt) geht es nach Tirano, weiter auf den Aprica, den Tonale (irrtümlich) und zurück bis zum Abzweiger auf den Gaviapass.Das ist ein Stück Arbeit. es hat relativ viel Verkehr und regelrechte Staus vor den Kurven, und im oberen Teil ist die Strasse wirklich unter jedem Ferkel, auf beiden Seiten. Runter in Richtung Bormio bessert es rasch wieder. Bormio ist ein cooles Städtchen, man kann zu vernünftigen Preisen übernachten (Empfehlung Albergo Stelvio) und sich gut durch die Spezialitäten des Valtellinas graben. 

 

Am Sonntag morgen geht es zeitig weiter über die SS301 und den Passo di Foscagno nach Livigno. Von hier in Richtung Norden dem Lago di Livigno entlang - das ist 4D Augenkino! Am Nordufer erreicht man den einspurigen Kraftwerk-Tunnel Munt la Schera. Visier öffnen und dem Donnergrollen lauschen! Nach dem einspurigen Tunnel ist der Ofenpass erreicht, es geht nach links Richtung Zernez. Von hier aus bietet sich der Flüela an, der Verkehr in diese Richtung ist aber von der üblen Sorte. Die Route via St. Moritz, Maloya nach Chiavenna und Splügenpass bietet sich an. 

 

Der Splügenpass ist immer ein Highlight, von Splügen aus muss es die alte Kantonsstrasse (Roflaschlucht, Viamala) bis nach Reichenau sein. Die Tour ist rund 760 km lang und führt durch einige der landschaftlich reizvollsten Gegenden der Schweiz und Norditalien. Auf den italienischen Strassenteilen ist Vorsicht angesagt, grössere Schlaglöcher und die unvermeidbaren Söhne von Valentino Rossi, vor allem im Raum Aprica und Tonale, die gern auf Deiner Seite aus der Kurve segeln.

  

Splügen und Albula

Schon die ganze Woche hat es Durchzug im Hirn.  Der Wetterbericht ist zwar Scheisse, jedoch nötige ich meine Sozia, sich anzuziehen und packe die Taschen. 

 

Ueber die A13 fahren wir bis Reichenau. Dort verlassen wir die Autobahn und ziehen über die alte Kantonstrasse bis zur Roflaschlucht. Es beginnt leicht zu regnen. Nach einem kurzen Kaffee geht's weiter bis Splügen. Das Hotel Bodenhaus ist voll; nach kurzem Studieren fahren wir das Weisse Kreuz an, ein Hotel im Stil der alten Säumer-Gasthäuser. Es ist unheimlich gemütlich da und das Essen erstklassig.

 

Es regnet die ganze Nacht durch. Am Sonntag morgen brechen wir spät auf, denn noch immer regnet es wie aus Kübeln. Eine kurze Pause wird genutzt,  aber am Splügenpass bricht die Hölle los - Dunkelheit, starker Regen, schlechte Sicht. Kurz vor Mittag kommen wir in Monte Spluga an. Das Wetter ist traumhaft, etwas kalt, Sonne und Wolken und Nebelschwaden, wie sie manchmal im September in den Bergen vorkommen. Ein kurzer Kaffee, dann hinunter nach Chiavenna, wo wir 30 Grad im Schatten antreffen. Danach fahren wir den Malojapass hoch.

 

An einer Stelle steht ein Warnschild "Schleudergefahr", kurz darauf wird die Luft staubig. Ein Fluss hat die Strasse überschwemmt und Sediment abgelegt. Es beginnt wieder zu stürmen, aber der Himmel ist fast klar mit einigen Wolkengebilden. Ich halte nicht an auf der Passhöhe, wo es etwa 11 Grad hat. Hinunter geht es nach Sils, dem See entlang; hier sieht es aus wie in den Rocky Mountains, eine traumhafte Gegend und auch eine schöne Motorradstrecke. Weiter nach St. Moritz und La Punt. Auf der Verbindungsstrasse drückt der Wind das Motorrad in Richtung Flussufer und verlangt nach nachdrücklicher Korrektur. Bei La Punt biegen wir ab auf den Albulapass. 

 

Nach der vierten Kehre beginnt es zu regnen und zu stürmen; harte Böen, die Temperatur fällt auf unter 4 Grad. Am Hospiz halten wir kurz an, um die Aermel an den Jacken unter die Handschuhe zu bringen. Tapfere Sozia, obwohl sie kalt hat. Es wird rasch wieder schön, aber man sieht, dass es die ganze Strecke kurz vor uns sehr stark geregnet hat. Die Flüsse und Bäche sind braun und führen Material ab. Die Albula-Strasse ist stellenweise sehr schlecht geworden, vor allem bei der Abfahrt in Richtung Preda und Begrün.

 

Der untere Teil des Maloja, der Albula und das Landwassertal gehören landschaftlich zu meinen Lieblingsecken, wie auch der ganze Grossraum Pontresina - Bernina - Poschiavo. 

 

14 Tage über Namibias Schotterpisten

März 2012 - Mit drei Freunden von der Tunesien Tour planten wir  eine zweiwöchige Off Road Tour durch Namibia zu machen.

 

Als Freund Roger im Herbst anrief, sagte ich sofort zu, obwohl es wieder um eine geführte Tour ging - diesmal aber in einer kleineren Gruppe von Freunden, die sich schon gut kennen und mit dem Ziel, das Land zu bereisen. 

 

Erinnerungen an die Schweissbäder von Tunesien und an das Gefühl, Südfleisch zu sein - im BMW Rallye 3 wird man langsam aber stetig gar gekocht. Also ab und los auf die Suche nach einer geeigneteren Variante. Eher per Zufall las ich einen Artikel von Touratech, der das Kleiderelend aufarbeitete und eine eigene Kreation namens Companero vorstellte - ein zweiteiliger Enduroanzug mit einem luftdurchlässigen Innenanzug und einem passgenau geschnittenen GoreTex Ueberanzug. 

 

Bei 42 Grad steuere ich meine Suzuki DR 650 mit 30 Liter Tank durch grindigen Schotter, der an den Handgelenken zerrt und die Plomben zum Wackeln bringt, von Windhoek  zum Camp Gecko, dem wohl schönsten Camp in Namibia. Der Companero Innenanzug, luftig und mit allen Protektoren versehen, ist perfekt. Der Gore Text Ueberanzug, haargenau auf den Unteranzug zugeschnitten, bleibt im Gepäck. 

 

Wer einmal bei fast 40 Grad im Gelände gefahren ist, weiss, wie schnell man kaputtgeht, wenn man sich nicht kühlen kann. Genau das schafft aber der Companero, denn der Innenanzug ist wirklich durchlässig wie ein T-Shirt. Kühlt es aber ab oder regnet es, Aussenanzug drüber und gut ist. Dass der dann ausgerechnet nicht greifbar ist, wenn die Sintflut über Dich hereinbricht, ist eine andere Geschichte.  

 

Vom Camp Gecko geht es weiter durch eine eigenartige Wüstenei nach Walvis Bay, Swakopmund und in die Namib Wüste. Auf 150 km hat es keinen einzigen Baum oder Strauch, fast unwirklich, bei Temperaturen um die 45 Grad. Vor Walvis Bay haben wir Hühnerhaut bei 25 Grad. Wir ziehen weiter durch das phantastische Damaraland Richtung Brandberg, wo wir unser Camp aufschlagen, um dann über Palmwag in die Khowarib Schlucht weiter zu fahren. 

 

Hier erleben wir in der ersten Nacht ein Erbeben in Stärke 5.3 und am zweiten Tag einen Sturm, der das ganze Camp verwüstet. Während wir im Flusstal Elefanten und Löwen nachstellen und uns während dem Sturm in Sesfontein in einem Hotel unterstellen, werden unsere Zelte und Gepäckstücke mitgerissen und alles durchtränkt. Via Kamanjab erreichen wir zwei Tage später über eine kleine Piste im Gewittersturm und sintflutartigen Regen die Etosha Pfanne. Weiter geht in westlicher Richtung Richtung Outjo, Ugab River, Uis und Khorixas zur Spitzkoppe. Wir schlafen meistens in den Zelten, steigen aber zwischendurch auch in einfacheren Lodges ab, nur um dann festzustellen, dass wir lieber gezeltet hätten.

 

Von der Spitzkoppe fahren wir über den  sandigen, steilen und im unteren Teil felsigen Boshua Pass zurück nach Windhoek. Rund 2300 km Schotter- und Sandpisten, Wasserdurchfahrten, Stürze, unzählige Begegnungen mit wilden Tieren, unvergessliche Nächte unter freiem Himmel und kuriose Erlebnisse entlang den einsamen Strecken liegen hinter uns. 

 

Namibia ist einzigartig. Jeder, der wilde, ursprüngliche Natur liebt, manchmal gerne den heimischen Komfort gegen starke Erlebnisse eintauscht und sich nicht scheut, auch mal durchzubeissen, wird auf einer solchen Tour etwas finden, was es nicht zu kaufen gibt.  

 

Tunesien und Sahara

Oktober 2011 - Während Richi von Rollo Tours anfangs Oktober schon seit zwei Wochen unsere Motorräder per Lastwagen nach Djerba bringt, besteigen wir ein Flugzeug der Tunis Air.

 

In Djerba angekommen, verlassen wir die Insel und fahren südwestlich über steinige und sandige kleine Pisten durch das karge Hinterland nach Medenine und an Toujane vorbei nach El Hamma.

 

Schon der erste Tag war eine echte Herausforderung  - mit null Erfahrung ein 280 kg Schwereisen durch Sand und über Felsen zu bewegen, forderte Kopf und mehr Muskelkraft, als zur Verfügung stand. Es begann schon damit, sich auf den kurzen Asphaltstrecken an die Stollenreifen zu gewöhnen. Unsere Guides vermeiden tunlichst asphaltierte Strecken, und es gibt Momente, in denen gewisse Personen den festen Untergrund küssten, wenn wir dann mal solchen erreichten. Westwärts erreichen wir Kebili und biegen in Richtung Süden ab, um über die nächsten Tage die Oase Ksar Ghilane zu erreichen, wo wir uns zwei Tage in der Umgebung über abgelegene Schotterpisten und tiefen Sand hangeln und die Oase geniessen.

 

In Ksar Ghilane umfängt einem der Zauber der Sahara -  mitten in deren Dünen gelegen, treffen sich hier Tuaregs, es gibt eine sehr bescheidene Infrastruktur und eine heisse Quelle, welche auch die wenigen Duschen speist. Geschlafen wird im Beduinenzelten, und ein guter Schlafsack sowie warme Kleider sind ein Muss. Damit kann man dann allerdings Wüstennächte verbringen, die bleibende Erinnerungen hinterlassen - auch an Protektoren, die sich am Morgen kaum anziehen lassen und in der Sonne gewärmt werden müssen. Oder daran, dass es eine gute Idee ist, die Stiefelschäfte mit den Socken zu verschliesen - Skorpione lieben das Biotop namens Motorradstiefel.

 

Tunesien ist teilweise faszinierend, wenn man sich abseits der Hauptrouten hält. Durch die Berge führen kleine Steinpisten, die fahrerisch anspruchsvoll sind und durch märchenhafte Landschaften führen. Das Fahren durch die Wüstentäler hinterlässt Bilder von 8 Motorrädern, weit auseinander gezogen, jeder in seiner Staubfahne im tiefstehenden goldenen Licht des nahenden Abends. Auch Orte wie El Hamma, obwohl primär auf Tourismus ausgelegt, bieten atemberaubende Aussichten auf die bergige Landschaft und ebensolche Stimmungen. Gewisse Gegenden sind gewöhnungsbedürftig - die Nähe zu Siedlungen wird durch weit verteilte farbige Plastiksäcke angezeigt, die sich an jedem Gebüsch verfangen oder frei über den trockenen Böden treiben. 

 

Verständlicherweise treffen wir nicht überall auf Sympathie - in den Dörfern ist das Steinewerfen sehr beliebt. Trotz respektvoller und langsamer Fahrweise erwischt mich ein Brocken mitten im Gesicht. Sehr beliebt ist es bei den Jungs, den Motorradfahrern lachend die Hand zum Abklatschen hinzuhalten und dann mit vereinten Kräften zu versuchen, den Fahrer zu Fall zu bringen - bei einem von uns hat es fast geklappt.   

 

Eine spezielle Erfahrung, bei der ich aber auch gemerkt habe, dass geführte Reisen in grossen Gruppen viel vom eigentlich Reiz einbüssen.